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(Neo)Tantra oder Sexological Bodywork? Was der Unterschied ist – und wo sie sich die Hand geben

  • Autorenbild: Julia Gieler
    Julia Gieler
  • 15. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

„Ach, das ist doch sowas wie Tantra, oder?“ Diesen Satz höre ich oft, meistens mit einem wissenden Nicken, als hätten wir uns gerade auf etwas geeinigt. Haben wir aber nicht. Denn so charmant die Verwechslung ist – ganz dasselbe sind die beiden nicht. Und weil das Internet voll ist von Räucherstäbchen-Romantik und Versprechen kosmischer Verschmelzung, lohnt es sich, mal aufzuräumen.


Woher Tantra kommt

Tantra ist ursprünglich eine jahrtausendealte spirituelle Tradition aus dem indischen Raum – ein ganzes Weltbild, in dem Körper, Atem, Energie und das Göttliche zusammengedacht werden. Sexualität ist darin ein Teil, aber bei Weitem nicht alles. Vor allem ist es eine der wenigen altertümlichen religiösen Lehren, die Sexualität nicht verteufelt, verbietet oder ausklammert.

Was bei uns im Westen meistens als „Tantra“ benannt wird, ist genauer gesagt Neotantra: eine moderne, westliche Adaption, die vor allem mit sinnlichen Ritualen, Polarität (oft „männliche“ und „weibliche“ Energie), Atemtechniken und dem Fließenlassen von Energie arbeitet. Das kann wunderschön und tief berührend sein. Es kann – je nach Lehrer*in und Rahmen – aber auch ziemlich dogmatisch werden, wenn unbedingt die heilige männliche und die heilige weibliche Energie definiert werden müssen und zueinanderfinden sollen. Da der Begriff „Tantra“ nicht geschützt ist und von vielen verschiedenen Strömungen verwendet wird, sind damit teilweise übertriebene Vorstellungen und öffentliche Skandale verbunden.


Im Gestalten von tantrisch inspirierten Ritualen bringe ich jahrelange Erfahrung mit und arbeite an der Stelle mit einem offenen und eher neutralen Ansatz ohne spirituellen Überbau. Wenn du deine Spiritualität als Klient*in oder Teilnehmer*in mitbringst, ist sie definitiv willkommen. Ich schaffe einen Lernraum für dich, mit all deinen Ressourcen. Ich vermittle von mir aus keine spirituelle Lehre.



Woher Sexological Bodywork kommt

Sexological Bodywork ist eine junge Praxis, die sich seit ca 40 Jahren entwickelt und kommt aus einer ganz anderen Ecke: aus der somatischen, körperorientierten Lern- und Bildungsarbeit. Es ist – ich hab’s in diesem Blog-Artikel schon geschrieben – körperorientiertes Lernen. Kein spirituelles Versprechen, keine vorgegebene Wahrheit darüber, wie du oder deine Energie zu sein hat.

Im Zentrum steht die körperliche Wahrnehmung: Was spürst du eigentlich? Gearbeitet wird mit Berührung, Atem, Bewegung und Kommunikation – einvernehmlich, strukturiert, und immer mit dir als der Person, die bestimmt, wo es langgeht. Statt „so fließt die Energie richtig“ heißt es hier: „Mal schauen, was bei dir passiert.“


Wo sich Tantra und Bodywork die Hand geben

So unterschiedlich die Wurzeln sind, im Erleben ähneln sich die beiden an einigen Stellen. Beide verlangsamen. Beide nehmen den Atem ernst. Beide laden dich ein, präsent zu werden, statt zu funktionieren. Beide arbeiten daran, Scham abzubauen, Gefühlen Raum zu geben und Berührung neu erfahrbar zu machen. Und beide stellen sich gegen die Idee, dass Sex ein Leistungssport mit Ziellinie ist.

Der Kernunterschied liegt im Rahmen: Neotantra bietet dir Rituale und ggf. ein spirituelles Bedeutungssystem an. Sexological Bodywork bietet dir einen neutralen, sicheren Raum, in dem deine eigene Erfahrung die Wahrheit ist.


Und was ist jetzt besser?

Falsche Frage. Die richtige lautet: Was passt zu dir? Magst du einen spirituellen Rahmen, Rituale, ein größeres Ganzes? Dann kann (Neo)Tantra ein wunderbarer Weg sein. Willst du lieber konkret, alltagsnah und ohne Weltanschauung im Gepäck deinen Körper neu kennenlernen? Dann ist Sexological Bodywork vermutlich eher dein Ding.

Alles kann, nichts muss – auch hier. Und falls du unsicher bist: Genau darüber reden wir in einem Erstgespräch. Schreib mir gern über die Kontaktseite.


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