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„Wir sind doch zusammen“ – warum Konsens in der Partnerschaft nicht von allein entsteht

  • Autorenbild: Julia Gieler
    Julia Gieler
  • 25. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Es hält sich ein hartnäckiger Mythos: Wer in einer Beziehung ist, hat das Thema Konsens abgehakt. Einmal Ja gesagt – zum Date, zur Beziehung, zum gemeinsamen Ikea-Regal – und der Rest ergibt sich. Klingt gemütlich. Ist aber leider realitätsfern.

Denn Konsens ist kein Vertrag, den man einmal unterschreibt und dann in die Schublade legt. Konsens ist lebendig. Er entsteht immer wieder neu, in jedem Moment, in dem sich zwei Körper begegnen. Und genau das vergessen wir in langen Beziehungen am leichtesten.


Das volle Ja, das keins ist

Du kennst das vielleicht: Man macht mit, weil es dazugehört. Weil der andere Lust hat und man ihn nicht enttäuschen mag. Weil „haben wir doch immer so gemacht“. Das ist kein echtes Ja – das ist ein Ja aus Gewohnheit, Pflichtgefühl oder Angst vor dem Gespräch danach.

Echter Konsens braucht drei Dinge, und keins davon stellt sich von selbst ein:

  • Bewusstsein – das Wissen, dass mein Ja und mein Nein in jedem Moment zählen, und das meines Gegenübers genauso.

  • Spüren – die Fähigkeit, auf körperlicher Ebene überhaupt wahrzunehmen, ob ich gerade ein Ja oder ein Nein fühle. (Viele von uns haben das nie gelernt.)

  • Kommunizieren – der Mut, das Gespürte auch auszusprechen, ohne dass gleich die ganze Beziehung in Frage steht.


Das Energie-Glas

Ich arbeite gern mit einem Bild: Stell dir vor, jede:r von euch hat ein Glas. Darin sammelt sich das, was euch nährt – Sicherheit, Lust, Verbundenheit, Gesehenwerden. Echter Konsens, ehrliche Berührung, gehörte Bedürfnisse: All das füllt beide Gläser gleichzeitig.

Und jetzt kommt der Haken. Wenn ich über deine Grenze gehe – auch wenn ich dir eigentlich was Gutes tun will, auch wenn das unbewusst passiert, auch wenn es „nur ein bisschen“ ist – dann kippe ich etwas aus deinem Glas. Wenn du über deine eigene Grenze gehst, um mir zu gefallen, kippst du etwas aus deinem Glas, und davon kommt nicht mal was in mein Glas rüber. Zwei halbleere Gläser, und beide wundern sich, warum die Nähe sich so anstrengend anfühlt.



Chasing Dynamics

Besonders tückisch wird’s bei dem, was man Chasing Dynamics nennt: Eine Person sehnt sich nach Nähe und „jagt“ ihr hinterher – mehr fragen, mehr initiieren, mehr wollen. Die andere zieht sich zurück, weil Druck sich nie wie eine Einladung anfühlt. Je mehr die eine Seite rennt, desto mehr flüchtet die andere Seite. Und beide Gläser werden leerer, obwohl sich doch beide eigentlich nach demselben sehnen: nach Verbindung.

Der Ausweg ist kein Trick, sondern eine Umkehr. Nicht mehr wollen, sondern erst mal spüren. Nicht jagen, sondern einladen. Nicht annehmen, dass das alte Ja noch gilt, sondern neugierig fragen: Wie geht es dir gerade? Wie geht es mir gerade?


Wo mein Workshop Bodywork für Paare ansetzt

Genau hier setzt Bodywork für Paare an. Ihr lernt – mit einem Konzept für Gespräche und Berührung – euer eigenes Ja und Nein zu spüren und auszusprechen. Ihr übt, das Glas des anderen zu füllen, ohne euer eigenes auszukippen. Ein Gruppenworkshop ohne Partnertausch, ohne Leistungsdruck, ohne „du machst es falsch“. Nur ihr beide, langsamer als sonst, ehrlicher als sonst, durch das Setting bedingt mit weniger Streit-Potential.

Klingt das nach euch? Klickt auf Bodywork für Paare für mehr Infos und Termine – oder schreibt mir einfach über die Kontaktseite. Auf Anfrage gibt es diesen Workshop auch privat.



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1 Kommentar


Doris
Doris
10. Juli

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